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Verputzt sich der Verputz?

Ohne Putze und Mörtel gab es einst kein Bauen. Sowohl beim Mauerwerksbau, der Fassade und beim Innenausbau war er unverzichtbar. Das hat sich radikal geändert.

Neue Bauweisen haben dieser Produktgruppe arg zugesetzt. Der boomende Trockenbau, die gängigen Dünnschicht-Fassadensysteme, die Klebetechnik beim Mauerwerksbau, alternative Fassadensysteme, sie alle kommen ohne Putz und Mörtel im herkömmlichen Sinn aus. Fast scheint es also, als seien sie nun bald verzichtbar. Schnelle, kostengünstige und einfach zu verarbeitende Ersatzlösungen können aber durchaus auch Nachteile gegenüber der konventionellen Putz- und Mörteltechnik haben, wie Georg Bursik von Baumit im Gespräch mit dem ÖBM bestätigt:

Ohne Putze/Mörtel gab es einst kein Bauen. Sowohl beim Mauerwerksbau, der Fassade und im Innenausbau war er unverzichtbar. Es scheint so, als sei er nun bald verzichtbar. Oder? Haben neue Bauweisen dieser Produktgruppe arg zugesetzt, Stichworte Trockenbau, Fassadensysteme, Klebetechnik?
Georg Bursik: Putz ist unverzichtbar! Im Innenbereich sind die Vorteile gewaltig. Durch den Innenputz wird das Raumklima positiv beeinflusst, es findet ein Feuchtigkeitsausgleich statt. Das kann kein anderes Material so gut wie moderne Putze.

Was sind denn die konkreten Vor-/Nachteile des herkömmlichen Putzes?
Georg Bursik: Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Im Innenbereich wie schon gesagt, aber auch im Außenbereich gibt es für hochwärmedämmende Ziegel spezielle Außenputze, die auch eine zusätzliche Wärmedämmung bieten. Damit wird ein homogener Wandaufbau erreicht. Als Nachteile sind sicher die etwas aufwendigere Verarbeitung als bei Spachtelmassen zu nennen.

Dieser Sortimentsbereich war doch für Handel und Industrie ein ganz wichtiger Umsatzträger. Wie sieht es damit heute aus? Was ist davon geblieben?
Georg Bursik: Zugegeben, in den letzten fünf bis sieben Jahren mussten wir einen Rückgang in knapp zweistelligen Bereich hinnehmen. Das wird aber in erster Linie durch die im Wohnbau stark vertretene Betonbauweise verursacht.

Wird im Bereich Putze und Mörtel weiterhin geforscht bzw. entwickelt? Was wird da kommen? Wo liegt die „Putzzukunft“?
Georg Bursik: Wir glauben an den Putz und seine Vorteile. Deshalb entwickeln wir unsere Putze auch laufend weiter. Wir haben einen „Klimaputz“ entwickelt, der extrem viel Feuchtigkeit aufnehmen und kontrolliert wieder abgeben kann. Ich habe schon erwähnt, dass gerade im Wohnbau in den letzten Jahren sehr viel Beton verwendet wird. Auch hier sollte zur Verbesserung des Raumklimas Putz aufgebracht werden. Der gefürchteten Schimmelbildung im Neubau könnte so wirksam entgegen gewirkt werden.

Wie sieht das Baugewerbe die Zukunft des Putzes? Will es ihn überhaupt noch?
Georg Bursik: Das Baugewerbe hat nach wie vor Interesse Putze und Mörtel zu verarbeiten. Wo es um Qualität und langfristige Kundenzufriedenheit geht, sind Putze unschlagbar.

Die Putzverarbeitung erfordert zumindest Grundfertigkeiten des Maurerhandwerks. Wer hat die in Zukunft noch? Gibt es eine „Putzakademie“?
Georg Bursik: Eine eigene Putzakademie gibt es (noch?) nicht. Wir wissen aber, dass in den Bauakademien jedes Bundeslandes die Technik sogar alter Putze schon wieder verstärkt geübt wird. Und die moderner Putze erst recht. Die fachgerechte Verarbeitung von Putzen und Mörtel wird also auch der jungen Generation im Baugewerbe nahe gebracht.

Was sind denn im Moment die Schwerpunkte der ARGE Putz/Mörtel?
Georg Bursik: Die ARGE Putz ist neben der technischen Beratung damit beschäftigt, die Vorteile des Putzes bzw. Mörtels zu kommunizieren. Wir werden unsere Werbemaßnahmen deshalb auch fortsetzen.

Der Baustofffachhandel ist traditionell eher der „Bedarfsdecker“, nicht so sehr der „Bedarfswecker“. Trotzdem: Kann der Baustoffhandel etwas beitragen, damit sich der Verputz in Zukunft nicht verputzt?
Georg Bursik: Unsere Vertriebspartner aus dem Handel wissen genau, dass Putz und Mörtel immer dann gute Chancen haben, wenn Ziegel verkauft werden. Und zwar sowohl beim Gewerbekunden als auch beim Privatkunden. Es ist also klar, dass der Baustoff– Fachhandel Interesse am Verkauf von Putz/Mörtel hat. Deshalb setzen wir auch in Zukunft auf den Fachhandel als unsere Vertriebspartner in diesem Produktsegment.